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Montag, 27. Juni 2011

Lunaresysol fragt nach: Interview mit Montserrat Suarez

 


Montse, seit wann tanzt Du Flamenco und wie bist Du zum Flamenco gekommen?

Montse: Ich habe mit sechs Jahren mit Ballett angefangen und tanze Flamenco, seit ich acht bin. Damals gab es so ein spanisches Fest in München, bei dem viele Gruppen und Tänzer getanzt haben. Am Schluss eines Auftritts wurden dann Freiwillige auf die Bühne gebeten und ich war natürlich die erste auf der Bühne. Und von dem Tag an war für mich klar: Ich will Flamenco tanzen.

Und hast Du mit acht Jahren dann auch schon angefangen, Unterricht zu nehmen?

Montse: Ja, genau. Früher gab es in München ja wahnsinnig viele Spanier. Es war fast wie eine Art Kolonie. Und damals gab es eben auch viele Vereine, zum Beispiel Grupo Andaluz - dort gab es Leute, die gesungen haben, die Gitarre gespielt haben und es gab auch viele Unterrichtsgruppen für Erwachsene und eben Kinder – und dort habe ich angefangen.

Interessanterweise gab es damals in München ja eine sehr aktive Flamenco-Szene mit sehr vielen Auftritten und Live-Flamenco, aber es gab nicht so viele Schulen bzw. Lehrer. Heute gibt es dagegen mehr Lehrer, dafür ist die Szene aber viel ruhiger geworden. Woran glaubst Du, könnte das liegen? 

Montse: Ja, das stimmt. Damals gab es weniger Lehrer, dafür aber viel mehr Vereine. Ich glaube, es lag vielleicht auch einfach daran, dass Flamenco damals noch relativ „neu“ in München oder vielleicht auch noch mehr in Mode war, es gab ein richtiges Flamenco-Fieber. Und dann kommt auch einfach dazu, dass die ganzen Spanier, die damals in München gelebt haben, alle nach Spanien zurückgegangen sind. Das heißt, es fehlt auch so ein bisschen die „authentische“ Komponente, alles ist weniger spontan. Früher haben die Spanier spontan in einer Pena angefangen, zu singen oder Gitarre zu spielen, das fehlt heute einfach. 


Du bist ja in Deutschland geboren, Deine Familie kommt aber aus Estremadura in Spanien. Gibt es sonst noch jemanden in Deiner Familie, der Flamenco tanzt? 

Montse: Nein, leider nicht. Aber mein Cousin Alejandro Suarez ist jetzt aus Spanien nach München gekommen, er ist Gitarrist und wir haben vor, in Zukunft viel miteinander zu arbeiten. Das freut mich, denn damit gibt es wieder einen spanischen Gitarristen in München.

Kannst Du Dir ein Leben ohne Flamenco noch vorstellen?

Montse: Nein, das geht gar nicht. Flamenco gehört einfach zu mir. Ich sage immer: Flamenco, mi amor. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne Flamenco machen sollte – nicht nur beruflich, sondern auch seelisch. Es ist einfach eine ganz andere Art zu leben mit Flamenco, eine andere Art zu atmen, zu lieben. Wenn Flamenco fehlen würde, wäre es dasselbe, wenn mir jemand sagen würde: Hör auf zu atmen.

Seit wann unterrichtest Du?

Montse: Ich habe mit 16 angefangen, zu unterrichten. Ich habe anfangs immer Antonio Vargas in seinen Stunden vertreten. Und dann war ich lange in Spanien und habe dort meine Ausbildung gemacht und jeden Tag intensiv Unterricht genommen und sechs Stunden getanzt. Und danach, so mit 19, habe ich angefangen, mich damit zu befassen und selbst richtige Kurse zu geben.

Unterrichtest Du lieber Erwachsene oder Kinder?

Montse: Ich kann nicht sagen, was ich lieber mache, es ist einfach beides so anders. Wenn man die Leute kennt, dann ist das mit den Erwachsenen irgendwann so ein schönes Miteinander. Wenn ich mit Kindern arbeite, dann bin ich eigentlich selbst wie ein Kind, das macht wirklich total Spaß. Bei Kindern ist es auch sehr interessant, die Entwicklung zu beobachten, wie sie sich über Jahre hinweg im Tanz, aber auch einfach als Menschen, als Persönlichkeiten entwickeln und welche Rolle dabei auch der Tanz spielt.

Wie ist es denn, sich als Tänzerin oder als Lehrerin in der Flamenco-Szene zu behaupten?

Montse: Also, ich mache einfach immer mein Ding. Ich mache mir nichts aus dieser Stutenbissigkeit. Ich kenne zwar alle Flamenco-Leute, aber ich will eigentlich nichts mit diesem Konkurrenzdenken zu tun haben. Ich bin glücklich so, wie es ist.
http://montserrat-flamenco.com/